Archive for the 'Allgemein' Category

23
Dez
09

Von den Banken enttäuscht

schlägt Ilse Aigner vor (Verbraucherschutzministerin, Rechts, Schwarz), Banken zur Einführung eines Beipackzettel zu nötigen, damit die Kunden dann besser über die Finanzkrise informiert wären. Wir freuen uns und haben schon verschiedene Vorschläge, für was man da dann drauf schreiben könnte:

1. Bei der nächsten Finanzkrise bitten wir Sie, sich sofort eine Gasmaske zu kaufen und so zu tun, als wäre der 29.10.1929.

2. Wir leisten uns aus Leidenschaft mit ihrem Geld unsere Zukunft, nur, damit Sie es wissen.

3. Finanzkrisen gibt es übrigens seit König Midas, also: Nur die Ruhe.

4. Gegen nervöses Achselzucken und sonstige de-monetisierende Nebenwirkungen fragen Sie ihren Manager, oder die sexy Apothekenhelferin, sofern Sie sich die jetzt noch leisten können (die Apothekenhelferin).

5. Ansonsten sehen wir uns bald: auf der Straße, unter der Brücke.

Guten Ausrutsch und ein frohes neues Jahr wünschen Ihnen, ihre Banken!

(und vielen Dank, Ilse! Wie heißt es so schön: Wenns hilft, auch wenns keinen Sinn macht…)

22
Dez
09

Der neue Kurs beim VFL Wolfsburg

Noch vor zwei Wochen äußerte sich Armin Veh wie folgt:

„Einen Manager? Setzt mir einen Manager vor die Nase und ich gehe.“

Jetzt ist es fix! Der gute Dr. Hoeneß wird Manager beim VFL. Bei einem Unter-Vier-Augen-Gespräch konnte die Sachlage geklärt werden. Hoeneß sprach davon, dass ein gemeinsamer Kurs gefunden werden konnte.

Da der Dollar noch schwächelt, bleibt man beim Euro.

20
Dez
09

Spiel mit dem Klimazipfel!

Auf dem Klimagipfel liegt Eis, meterdick wie hoch und darunter in gut beheizten Pelzmänteln tagen noch die Abgeordneten aus Frankreich und vernügen sich mit Prostituierten (heißen übrigens Vip-Chicks!!!) für mau. Auch eine Art Klima, wenn einem die holde Dirne am Zipfel spielt.

Wer erwartet hat, dass es anders kommt, soll weiter auf den Weihnachtsmann warten, nur poppt der grad mit der Österhäsin (für mau).

Kleiner Leitplan für die Demokratie:

1. Wir Groß- und Industriestaaten lassen uns am Arsch lecken und die kleinen Inseln (die größeren sowieso) absaufen, gibts da eh nur Barbaren und Königreiche, sollen gefälligst heim ins Reich, die verfluchten Ungläubigen.

2. Dank des technischen Fortschritts werden unsere Kinder sowieso besser in unterspülten Felshöhlen leben, oder gleich auf dem Meeresboden, wo sie dann dank modernster Gentechnik Algen fressen gelernt haben, während ihre Pupse die Waschmaschiene antreiben.

3. Wir lassen die Linken Umweltbehörden einberufen, die wir dann wieder mit unseren Leuten besetzen, damit bringen wir den Klimazipfel erst recht in Gang und alles steht total steif senkrecht, damit sich die kleinen Dirnen draufsetzen können – wiederum für mau.

4. Was ist denn bitte schon Demokratie????

5. Gute Nacht, bis nächstes Jahr in Mexiko.

6. Ban-Ki-Mond hat Schimmelfüße und einen Tripper auf der Zunge.

6,5. Und woher bekommen eigentlich die Nutten ihre Kohle? Spaß hatten die mit den Politikern sicher allemal… und nochmal… und nochmal… und nochmal…Yippie!

Freuen wir uns also auf Teil 2 vom Klimazipfel und schalten Sie auch nächstes Jahr wieder ein, wenn es heißt:

Wie? Ich?

(P.S. Wer sonst? Etwa die Politik??? Hahaha…)

Gutes Neues!!!!

17
Dez
09

Einfach nur Tier sein

Einfach nur Tier

Spätestens als jetzt die Pastetchen ausgeteilt waren, war für die drei Tigerbrüder Karl, Nemo und Fischling klar, dass auch an diesem Abend nichts weiter für sie rausspringen würde, als die übliche Kuscheltiernummer durchzuziehen, mit zwischendrin ein bisschen fauchi fauchi und knurr knurr und das Beste vom Abend, der knackige Dompteur, nur wieder den Gästen vorm Stahlzaun überlassen bleiben sollte. Dabei wünschten die Drei sich seit je nicht mehr, als wenigstens einmal einen solchen Happen selbst probieren zu dürfen, ein wenig mehr Natürlichkeit.

„Wir hatten endgültig genug von dieser Art snobistischen Chauvinismus! Wir Tiger sind schließlich auch nur Menschen“, rechtfertigt Nemo die Aktion, Fischling will sich nicht äußern, saugt nervös an seiner Zigarette. Man hat den Eindruck, er sieht schlechter aus als sonst, aufgewühlt, und quält sich, macht sich irgendwelche Vorwürfe.

Die Aktion war wochenlang genau geplant: Fischling, während Karl den Dompteur Pagels geschickt unter der Probe ablenkte, indem er „toter Hund“ spielte, versteckte am letzten Probeabend den Stolperklotz, den er aus einem großen Holzteil der hinteren Käfigwand gefertigt hatte, dem Käfig, indem die Tiger wohnen, aber leider noch nicht leben, im Spreu des Manegenbodens. Der Plan ging auf, leider wurde die Aktion von niemandem so richtig verstanden – nach wie vor gibt es zwar rohes, aber vorher irgendwie schon totes Fleisch.

„Sie können sich vorstellen, dass es uns durchaus reizt, einmal den Tiger raus zulassen, wobei sie das jetzt nicht wörtlich nehmen müssen“, erzählt Karl und knurrt dabei merkwürdig in sich hinein. „Es ist nur so, ständig sehen wir diese Leute aus der Hamburger Bürgerschaft und wie sie mit diesen leckeren Pastetchen hereinkommen…“, dann zögert er einen Moment, „…es ist nicht Neid, oder so, nur“, wieder dieses zögern, es ist, als ob in diesem Augenblick in dem großen und kuschligen Tier ein brutaler Kampf stattfände, ein Kampf zwischen wirklicher Vernunft und rasender Wut und endlich kann sich Karl sammeln und fährt fort, „…ich glaube, wenn ich jetzt darüber nachdenke, was inzwischen passiert ist, die Aktion hatte etwas total Symbolisches. Aber was nur?“ Dann schießen ihm Tränen in die Augen, Fischling wendet sich ab, während Nemo sich noch ein Glas Wodka einschenkt.

Als die Nacht hereinbricht, schleicht sich Fischling ans Käfiggitter heran. „Im Grunde ist es doch so: Wir sind im Prinzip eigentlich Tiere und ich persönlich finde es ganz normal, Menschen zu essen – wenigstens ab und zu. Aber erzählen sie das mal meinen Kumpels.“ Mit einer Tatze zeigt Fischling ins Dunkel hinüber, wo Karl und Nemo bereits schlafen. „Da sucht man sich dann irgendwelche Kanäle, über die man dass rationalisieren kann – sie haben Karl ja gehört. Von wegen Symbolismus! Wenn Sie mich fragen: Das klingt ziemlich schizophren. Würde er aber nie zugeben – das eine nicht und auch nicht das andere. Auch nicht, dass er einen ganz schönen Hass auf den Pagels hatte und allein schon deshalb… Nie!“

Und kriecht zurück in den Schatten, worin er sich nervös versteckt.

„Ach so! Hätten Sie mir eine Zigarette? Dieser Blutgeschmack. Irgendwie werd ich ihn nicht mehr los.“

17
Dez
09

Tag der Folter (Gestern)

Tag der Folter (Gestern und immer wieder…)

Heute Morgen erinnerte das Deutschlandradio pünktlich zum Jubiläum der Folter an deren globale Abschaffung durch Hillary Clintons Oma Eleonore Roosevelt und mahnte, dass die Folter nur noch dort erlaubt sei, wo sie noch erlaubt sei und das wäre sie eben dort nicht ohne Grund:

  1. In verschiedenen Kitas in Neukölln (kaum wenigen, aber doch einigen)
  2. In Supermärkten (in wenigen vielen)
  3. In süddeutschen Universitäten (in eigentlich irgendwie allen)
  4. In Amerika (vor allem in Bagdad und Peking)
  5. Und überhaupt: Sei die Folter gar nicht so übel, vor allem als Patentrezept gegen Kopfschmerzen und Hals-, Nasen-, und sonstige Gliederbeschwerden.

Wir gratulieren!

06
Apr
09

Schöner Tag

Die Frau an der Kasse grüßt mich lächelnd, kassiert, gibt mir das Wechselgeld und den Kassenbon und fragt nach meiner Postleitzahl. Ich sage, dass ich die nicht sagen möchte. Sie meint, die Werbung kommt so oder so und wünscht mir mit einem geübten Lächeln einen „Schönen Tag“. Es schneidet tief und tut weh.

Draußen machen die Wolken der Sonne Platz, das neue Industriegebiet in der Quitzowstraße liegt dreckig da, die Triebe der Bäume, der Büsche – das Gras; die Natur braucht noch einen Moment, bevor sie sich von den Temperaturen anstecken lässt und die Straßen und Wege und Höfe grün zu säumen beginnt. Ich überquere mit dem Rad die Straße, bevor ich von einem LKW überfahren werde und atme süßklebrige Abgase in meine Lungen.

Zuhause packe ich die Dinge aus, ein Regal, vier Schrauben, vier Dübel, höre draußen wen an der Mülltonne hantieren, vermesse die Bohrlöcher, prüfe mit der Wasserwaage, zeichne an, höre Schritte im Aufgang, die mit jedem Herzschlag leiser werden. Die Bohrmaschine sirrt wie ein Wespennest, der Bohrer saugt sich bis zum Anschlag in die Wand. Die Dübel halten nicht, die Wand ist aus Pappe, ich suche mir Holzreste vom Winter, vom Anfeuerholz, schnitze es passend zurecht, klopfe es in die Löcher, drehe die Schrauben hinein und nehme wieder die Wasserwaage zur Hand. Ein wenig hier nachklopfen, ein wenig dort, das Schaufenster der Waage zeigt die ideale  Horizontlinie.

Ich stemme das Regal, hänge es ein, fülle es mit überflüssigen Büchern, wenigstens sagte meine Tante kürzlich, die Menge der Bücher hier mache ihr Angst, dass wäre doch alles überflüssig. Ich sehe ein Band über die Deutsche Geschichte, Hermann Bangs gesammelte Erzählungen, Wittenwiller, Nietzsche, John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“. Überflüssig. Furchteinflößend. Einen Moment bekomme ich Angst. Mit dem Handfeger und der Kehrschaufel nehme ich den Schmutz vom Boden auf, höre schnelle Tritte die Treppen herauf kommen, einen Moment später klappert der Briefkasten, Werbung von Real, Hellweg und einem Pizzaservice namens „Pastino“ fällt herein.

Vor meinem inneren Auge sehe ich die Frau an der Kasse nach meiner Postleitzahl fragen, ihr tausendmal geübtes, beißendes Lächeln; sehe hinter der Maske ein kleines, hübsches Mädchen weinen, obwohl es für Tränen lange kein Wasser mehr hat; weinen, weil die Blumen im Garten verrotten, das Haus morsch in sich zusammenbricht, der Mann seit Jahren fort ist, an einer lauten Front im Nirgendwo. Der Weg zuück? Verloren?

Ihr knielanges Kleidchen ist mit Erdbeeren bestickt, die aschfahl leuchten. An manchen Stellen ist es zerrissen, gelb verfärbt, ein neues Gewand, ein zweites Leben kann sie sich nicht leisten. Wer kann das schon? Über das zerschlissene Haus dröhnt eine tieffliegende Bomberstaffel in Richtung Süden, sie muss an ihren Mann denken und beginnt wieder, zu weinen. Durch die Tür in den Garten tritt ein junger Mann, er verletzt sich an den Dornen der welken Rosenbüsche, sie möchte jetzt aber niemanden sehen, mit niemandem sprechen, will allein sein mit ihrem Leid und Jammer – will ihren Mann zurück, dass das Kleidchen weiß strahlt und die Erdbeeren rot leuchten. Als er sie anspricht, wendet sie sich fort. Sie will den fruchtigen Duft des Gartens in sich aufsaugen, wenn sie im Beet kniet und die Zwiebeln für den Herbsttrauch Tomaten pflanzt, sich an den Fliederknospen freuen, sich ausmalen, was ihr Mann ihr heute schenkt, wenn er ihr einmal mehr zeigt, dass er sie nicht vergessen hat.

Das Dröhnen der Bomber verschwindet am Horizont, es beginnt zu regnen, der junge Mann spannt einen Regenschirm auf und wartet darauf, dass ihn seine Frau wieder erkennt.