Posts Tagged ‘Leben

13
Jan
10

Liebe Mitbürgerinnen und Bürger!

Sie finden keinen Antrieb, morgens aufzustehen? Sind erschöpft und haben keine Lust auf den Job? Ihnen geht die Konzentrations- und Merkfähigkeit ab, wenn Sie in der Gruppenbesprechung sitzen? Sie haben Angst vor Rückmeldungen und Telefonaten? Immer öfter spüren Sie den Wunsch allein zu sein und haben keine Lust mehr auf das ganze Theater? Und Sie streiten sich häufig mit ihrem Partner?

Dann könnte es sein, dass die Große Koalition der bürgerlichen Mitte ihnen von Anfang an politisch nichts weiter einbrockt: Als erschreckende Depressionen!

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23
Dez
09

Von den Banken enttäuscht

schlägt Ilse Aigner vor (Verbraucherschutzministerin, Rechts, Schwarz), Banken zur Einführung eines Beipackzettel zu nötigen, damit die Kunden dann besser über die Finanzkrise informiert wären. Wir freuen uns und haben schon verschiedene Vorschläge, für was man da dann drauf schreiben könnte:

1. Bei der nächsten Finanzkrise bitten wir Sie, sich sofort eine Gasmaske zu kaufen und so zu tun, als wäre der 29.10.1929.

2. Wir leisten uns aus Leidenschaft mit ihrem Geld unsere Zukunft, nur, damit Sie es wissen.

3. Finanzkrisen gibt es übrigens seit König Midas, also: Nur die Ruhe.

4. Gegen nervöses Achselzucken und sonstige de-monetisierende Nebenwirkungen fragen Sie ihren Manager, oder die sexy Apothekenhelferin, sofern Sie sich die jetzt noch leisten können (die Apothekenhelferin).

5. Ansonsten sehen wir uns bald: auf der Straße, unter der Brücke.

Guten Ausrutsch und ein frohes neues Jahr wünschen Ihnen, ihre Banken!

(und vielen Dank, Ilse! Wie heißt es so schön: Wenns hilft, auch wenns keinen Sinn macht…)

20
Dez
09

Spiel mit dem Klimazipfel!

Auf dem Klimagipfel liegt Eis, meterdick wie hoch und darunter in gut beheizten Pelzmänteln tagen noch die Abgeordneten aus Frankreich und vernügen sich mit Prostituierten (heißen übrigens Vip-Chicks!!!) für mau. Auch eine Art Klima, wenn einem die holde Dirne am Zipfel spielt.

Wer erwartet hat, dass es anders kommt, soll weiter auf den Weihnachtsmann warten, nur poppt der grad mit der Österhäsin (für mau).

Kleiner Leitplan für die Demokratie:

1. Wir Groß- und Industriestaaten lassen uns am Arsch lecken und die kleinen Inseln (die größeren sowieso) absaufen, gibts da eh nur Barbaren und Königreiche, sollen gefälligst heim ins Reich, die verfluchten Ungläubigen.

2. Dank des technischen Fortschritts werden unsere Kinder sowieso besser in unterspülten Felshöhlen leben, oder gleich auf dem Meeresboden, wo sie dann dank modernster Gentechnik Algen fressen gelernt haben, während ihre Pupse die Waschmaschiene antreiben.

3. Wir lassen die Linken Umweltbehörden einberufen, die wir dann wieder mit unseren Leuten besetzen, damit bringen wir den Klimazipfel erst recht in Gang und alles steht total steif senkrecht, damit sich die kleinen Dirnen draufsetzen können – wiederum für mau.

4. Was ist denn bitte schon Demokratie????

5. Gute Nacht, bis nächstes Jahr in Mexiko.

6. Ban-Ki-Mond hat Schimmelfüße und einen Tripper auf der Zunge.

6,5. Und woher bekommen eigentlich die Nutten ihre Kohle? Spaß hatten die mit den Politikern sicher allemal… und nochmal… und nochmal… und nochmal…Yippie!

Freuen wir uns also auf Teil 2 vom Klimazipfel und schalten Sie auch nächstes Jahr wieder ein, wenn es heißt:

Wie? Ich?

(P.S. Wer sonst? Etwa die Politik??? Hahaha…)

Gutes Neues!!!!

06
Apr
09

Schöner Tag

Die Frau an der Kasse grüßt mich lächelnd, kassiert, gibt mir das Wechselgeld und den Kassenbon und fragt nach meiner Postleitzahl. Ich sage, dass ich die nicht sagen möchte. Sie meint, die Werbung kommt so oder so und wünscht mir mit einem geübten Lächeln einen „Schönen Tag“. Es schneidet tief und tut weh.

Draußen machen die Wolken der Sonne Platz, das neue Industriegebiet in der Quitzowstraße liegt dreckig da, die Triebe der Bäume, der Büsche – das Gras; die Natur braucht noch einen Moment, bevor sie sich von den Temperaturen anstecken lässt und die Straßen und Wege und Höfe grün zu säumen beginnt. Ich überquere mit dem Rad die Straße, bevor ich von einem LKW überfahren werde und atme süßklebrige Abgase in meine Lungen.

Zuhause packe ich die Dinge aus, ein Regal, vier Schrauben, vier Dübel, höre draußen wen an der Mülltonne hantieren, vermesse die Bohrlöcher, prüfe mit der Wasserwaage, zeichne an, höre Schritte im Aufgang, die mit jedem Herzschlag leiser werden. Die Bohrmaschine sirrt wie ein Wespennest, der Bohrer saugt sich bis zum Anschlag in die Wand. Die Dübel halten nicht, die Wand ist aus Pappe, ich suche mir Holzreste vom Winter, vom Anfeuerholz, schnitze es passend zurecht, klopfe es in die Löcher, drehe die Schrauben hinein und nehme wieder die Wasserwaage zur Hand. Ein wenig hier nachklopfen, ein wenig dort, das Schaufenster der Waage zeigt die ideale  Horizontlinie.

Ich stemme das Regal, hänge es ein, fülle es mit überflüssigen Büchern, wenigstens sagte meine Tante kürzlich, die Menge der Bücher hier mache ihr Angst, dass wäre doch alles überflüssig. Ich sehe ein Band über die Deutsche Geschichte, Hermann Bangs gesammelte Erzählungen, Wittenwiller, Nietzsche, John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“. Überflüssig. Furchteinflößend. Einen Moment bekomme ich Angst. Mit dem Handfeger und der Kehrschaufel nehme ich den Schmutz vom Boden auf, höre schnelle Tritte die Treppen herauf kommen, einen Moment später klappert der Briefkasten, Werbung von Real, Hellweg und einem Pizzaservice namens „Pastino“ fällt herein.

Vor meinem inneren Auge sehe ich die Frau an der Kasse nach meiner Postleitzahl fragen, ihr tausendmal geübtes, beißendes Lächeln; sehe hinter der Maske ein kleines, hübsches Mädchen weinen, obwohl es für Tränen lange kein Wasser mehr hat; weinen, weil die Blumen im Garten verrotten, das Haus morsch in sich zusammenbricht, der Mann seit Jahren fort ist, an einer lauten Front im Nirgendwo. Der Weg zuück? Verloren?

Ihr knielanges Kleidchen ist mit Erdbeeren bestickt, die aschfahl leuchten. An manchen Stellen ist es zerrissen, gelb verfärbt, ein neues Gewand, ein zweites Leben kann sie sich nicht leisten. Wer kann das schon? Über das zerschlissene Haus dröhnt eine tieffliegende Bomberstaffel in Richtung Süden, sie muss an ihren Mann denken und beginnt wieder, zu weinen. Durch die Tür in den Garten tritt ein junger Mann, er verletzt sich an den Dornen der welken Rosenbüsche, sie möchte jetzt aber niemanden sehen, mit niemandem sprechen, will allein sein mit ihrem Leid und Jammer – will ihren Mann zurück, dass das Kleidchen weiß strahlt und die Erdbeeren rot leuchten. Als er sie anspricht, wendet sie sich fort. Sie will den fruchtigen Duft des Gartens in sich aufsaugen, wenn sie im Beet kniet und die Zwiebeln für den Herbsttrauch Tomaten pflanzt, sich an den Fliederknospen freuen, sich ausmalen, was ihr Mann ihr heute schenkt, wenn er ihr einmal mehr zeigt, dass er sie nicht vergessen hat.

Das Dröhnen der Bomber verschwindet am Horizont, es beginnt zu regnen, der junge Mann spannt einen Regenschirm auf und wartet darauf, dass ihn seine Frau wieder erkennt.