04
Mai
08

Kölle A lafd you!

Köln entwickelte sich im Mittelalter zu einer der bedeutendsten deutschen Städte in christlicher und  wirtschaftlicher Hinsicht. Auch wenn der Kampf der Stadtbürger gegen die Ratsbürger ein Kampf unter “Aristokraten” um Macht war wie wir ihn aus der römischen Republik im Senat kennen, zeigt diese Auseinandersetzung vergleichsweise demokratische Spuren auf - Freiheit, Gleichheit, darum ging es den Stadtbürgern.

Kölle: Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia; die Stadt, die mit dem Stapelrecht zu Wohlstand kam; die Stadt, die 1349 in der Bartholomeusnacht dafür sorgte, dass die Juden ein wenig weniger werden sollten; die Stadt der Wallfahrt, der Heiligen Ursula, des Albertus Magnus; Karnevalshochburg, Universitätsstadt - heute eine wohlzivilisierte Betonakkumulation mit hohem Ausländeranteil, vor allem Türken. Gleichwohl ist Köln offiziell eine Stadt der Partnerschaften, doch eine Partnerschaft ist mit Sicherheit auszuschließen, die mit dem Islam, die mit den Muslimen, den Türken - den Fremden, den Nachbarn in der eigenen Stadt.

Heute ergeben sich neue Möglichkeiten, Solidarität und Partnership zu beweisen, die Köllener suchen sich die Nachbarn nämlich selber aus: Wie wäre es mit Jean-Marie Le Penn? Henry Nietzsche? Heinz-Christian Strache? Der braune Beigeschmack liegt in der Natur der Sache - oder: Nomen est Omen.

Die Islamophobie, die neben unzähligen anderen Ängsten die Deutschen (aber nicht nur die) heimsuchen, erlauben, dass Rechts wieder richtig schick wird, modisch, mutig. Jeder köllsche Schnogo wagt sich mit rechtem Protest auf die Straße und nennt das “Pro Köln”. Worum es gehen tut: Die orientalischen Nachbarn sollen fort, die West-Zone leaven. Das sagt man zwar nicht direkt, nur das Symbol bleibt ein immergleiches: Die Moscheen auf den Protest-Schildern, durchgestrichen; Symbol für heimliche Terrorcamps, Sammelstellen für den islamisch-orthodoxen Anti-Westi und Knoblauchfuzzi. Woll’n se nicht, die Köllis.

Köln. Christopher-Street-Day. Schauspielhaus, Philharmonie, Oper. Wolfgang Voigt, Pierre Schaeffer haben dich besucht, belebt, Goethe war da, Heine. Domstadt, Brückenstadt. Gut, der 1. FC braucht noch Nachhilfe, aber das wird wieder. Kölle, eigentlich eine Stadt der Demokratie, der Ideen und der Vielfalt.

Heute plant man Anti-Islamisierungskongresse. Kölle, once A lafd you.


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