Ach Henryk! M. Broder über Islamisierung
(http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/03/28/dlf_20080328_2314_5a40b9d8.mp3)
Herr Broder spricht in dem Interview von einer West-Islamisierung, einer offensichtlichen, politisch affektierten Angstblindheit diesbezüglich, denn eine Islamisierung ist seiner Meinung nach faktisch gegeben. Ergänzend führt er an, dass die Religion „Islam“ ein Problem mit der „Gewalt-in-ihrem-Namen“ hat und kritisiert darüber hinaus exemplarisch die Reaktion: Medien-Zensur durch die holländische Regierung.
Ein Problem seiner Schilderung ist: den Begriff Islamisierung in direkten Zusammenhang mit Wilders Film „Fitna“ zu setzen. Herr Broder meint, dass die (Zensur)-Reaktion der holländischen Regierung ein Hinweis wäre, dass Wilders mit seiner Vermutung einer Islamisierung des Westens Recht habe, wobei er zu Anfang des Interviews deutlich aussagt, dass er die Intention Wilders nicht kenne.
Die übervorsichtigen Reaktionen des gesamten EU-Westens auf den Film sind mit anzunehmender Sicherheit, hierin bleibt, Herrn Broder beizupflichten, eine Panikreaktion auf die Terroranschläge der Vergangenheit und Gegenwart, die Zensur der Regierung in diesem Sinne per se aber eine „intolerable“ Präventionsmaßnahme, genauso jedwede weitere falsche Rücksichtnahme – wie die Schließung der Satire-Ausstellung im Grimm-Haus, Berlin, in Moabit, einem Stadtteil mit hohem Migrantenanteil, Islamistenanteil.
Doch zurück zur Islamisierung. Herr Broder unterstellt den Islamisten durch den Begriff der Islamisierung bewusst die Absicht, die Europäer zum Islam bekehren, bzw. sie unter die Herrschaft des Islam bringen zu wollen. Von einer bewussten Absicht kann aber beim besten Willen nicht ausgegangen werden, selbst wenn Herr Broder wiederum richtig feststellt, dass sich das Groß der Anhänger des Islam nicht gegen Gewalt ausspricht! Doch eine stille Zustimmung kann nicht unbedingt als ein ebenso unbedingtes „JA“ zur Gewalt angesehen werden, was wir vergleichsweise aus eigenster, aus deutscher Erfahrung wissen. Herr Broder stellt außerdem fest, dass die antiwestlich und gewalttätig demonstrierenden Massen durch Demagogen auf die Straße gebracht werden, insofern ist die Zustimmung Nötigung. Ein vergleichender Blick auf die politische Praxis der Amerikaner zeigt außerdem Möglichkeiten zu der, der islamischen Demagogen – konkret etwa in Bezug auf Hawaii oder die Philippinen. Des Weiteren werden die im Westen lebenden Islamisten, die sich gegen Gewalt und für mehr Liberalität im Umgang mit der eigenen Religion aussprechen, übersehen, genauso die, die es mit gleich anzunehmender Sicherheit überall in islamistisch geführten, zum Teil gewaltbereiten Ländern gibt.
Die Terror-Reaktionen der Vergangenheit und Gegenwart der orthodoxen oder radikalen Islamisten sehe ich in unmittelbarem Zusammenhang mit der Angstreaktionen der westlichen Regierungen. Sie ist ebenso Ausdruck von Panik und Furcht – in Bezug auf eine „Kapitalisierung“, oder „Globalisierung“ ihrer Gesellschaft durch deren Vertreter: die USA, mittlerweile auch die alte Welt, Europa; mag unsere Gewalt eine gewaltlosere sein – ist sie letztlich doch genauso zwingend wie ein Selbstmordanschlag. Denn dem Kapitalismus geht es belegtermaßen gleichwohl ums nackte Überleben, die soziale Marktwirtschaft dahinter, bzw. ein sozialer Kapitalismus bleibt ein Schatten in weiter Ferne.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: wie sollen die europäischen Regierungen in völliger Abhängigkeit zur alleinigen Weltmacht USA innenpolitisch reagieren, wenn nicht, beispielsweise, eben durch Zensur? Sind Ihnen in vollkommener wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit zu Amerika nicht die Hände gebunden? Es scheint, als hätten sich die USA durch ihre globale außen-, wie innenpolitische Welt-Vormachtstellung und die Kastration der politischen Handlungsfähigkeit der „EU-Länder“ in Folge ihrer Politik nach Ende des zweiten Weltkrieges selbst ein Bein gestellt.
Das Geflecht der globalen Interdependenzen ist mittlerweile beinahe undurchdringlich, aber Herr Broder scheint es zu durchschauen. Wenn aber „islamische Neulinge in der Globalisierungsbranche“ mit brutalster und in jedem Falle absolut ungerechtfertigter Gewalt reagieren, ist das nicht nachvollziehbar, jedoch verständlich. Vergleichsweise scheint es überhaupt, wenn es um den Kampf der Verfassungen und Religionen geht, hat der Pessimist Recht; denn was „Terror“ angeht, finden wir in der Geschichte unzählige weitere Interpretations- und Vergleichsmöglichkeiten, wenn auch unter anderen Bezeichnungen.
Nun ist die Demokratie zweifellos wünschenswerter als ein orthodoxer, gewalttätiger Islam, aber ist ein Raubtierkapitalismus, der aus seine Weise Menschenleben kostet, nicht ein ähnliches Monster in anderem Kleid? Und wo bleibt diesbezüglich die Demokratie?
Es ist also keine Islamisierung erkennbar, aber vielerorts Menschen, die in heftiger Furcht leben und entsprechend re-agieren. Es ist einmal mehr die schwerstmögliche Forderung an uns alle gerichtet: den Dialog zu suchen, nicht zu weichen und aufzuklären – in komplexer Hinsicht, so komplex, wie es eine Globalisierung bzw. Kapitalisierung erfordert. Fitna von Geert Wilders hält den gewaltbereiten Islamisten auf westlich-zivilisierte Art einen prinzipiell gleich gearteten Angst-Spiegel und Befürchtungen entgegen. Der Film ist eine ähnliche Panikreaktion, wie die von Herrn Broder in Bezug auf die holländische Regierung als intolerabel bezeichnete, denn die Zensur Wilders folgt am Schluss! Hörbar!