Archiv für 19. März 2008

19
Mär

So gesehen…So geschehen!

Gestern Abend (18.03.200 8) gab es in Steglitz eine Diskussion, ob nämlich die NPD verboten werden müsste, oder nicht. Das Ganze war aber, um das gleich vorwegzunehmen, nicht mehr und nicht weniger als eine parteipolitische Inszenierung seitens der SPD, vertreten durch Klaus Uwe Benneter und unseren Berliner Innensenator Erhart Körting; ergänzt durch und ergänzend: die themenbezogene Antagonistin Kahane, hauptamtlich Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung und der verständlicherweise proprothesenbeogene Protagonist Levi Salomon als Vertreter der jüdischen Gemeinde, der von den Herren der SPD ganz wunderbar instrumentalisiert wurde.

18.03 in Steglitz

 

(von links nach rechts: Levi Salomon, Klaus Uwe Benneter, Erhart Körting, Anetta Kahane (c) 2008 Andreas Vildman)

Zuerst: was müssen wir da diskutieren? Es ist doch ganz einfach: sie sollte nicht verboten werden! Die NPD darf in verfassungsrechtlichem, in demokratischem Sinne nicht verboten werden! Damit stand Frau Kahane glücklicherweise nicht allein, man stand zu viert, fünft, vielleicht weniger. Die, die sagen, wenn, dann muss man sich als Demokrat vielmehr Verantwortung stellen, politisch aktiv werden – sich einmischen! Körting nutzte die Veranstaltung gleich als Nürburgring zur Demonstration seines rein rationalen Quasi-Verstandes; für seine Demagogie, denn anders ist das, was er geäußert hat, nicht zu verstehen gewesen; weder inhaltlich, noch taktisch, noch strategisch. Regenreifen auf trockener Strecke. Herr Körting verkannte, dass wir ein gemeinsames Ziel verfolgen – nie wieder Nationalsozialismus!

Ist das vielleicht machtpolitische Betriebsblindheit? Vielleicht sollten wir, wie zu ganz alten Zeiten, die nicht besser waren, aber durchaus Besseres bieten, die Annuität für politische Ämter einführen; nein, wir müssten! Was Körting entfallen war, ist, dass sich Geschichte nicht verbieten lässt! Sie ist geschehen, historische Tatsache! Der Eisberg Nationalsozialismus war keine Fantasie, unsere gesellschaftliche Titanic darauf aufgelaufen und gesunken, die Demokratie hatte versagt! Eine postmoderne Reaktion: Verbote. Eine andere: Kürzungen im Bildungsbereich. Durch Verbote und Bildungsmangel unerwünschte Geschichte vergessen machen. Aber durch touristenfreundliche Gedenkstätten erinnern – durch etwa solche wie am Potsdamer Platz, wo die Kinder und die so genannten Erwachsenen herumturnen und Spaß haben, erinnern! Klingt seltsam, sieht praktisch noch seltsamer aus. Denn wer hat Zeit die Wirklichkeit hinter den Stelen zu bemerken, Zeit sich hineinzuversetzen, Zeit zur Besinnung, Zeit zu erinnern? Wer nimmt sich denn bitteschön Zeit dafür? Nicht, dass er sie nicht hätte! Gut ist: neben Souvenirshops gedenken und darüber hinaus alles irgendwie rechte verbieten und verbilden. Das ist einfach gesprochen: ziemlich das Oberflächlichste, das ich jemals gehört habe! Denn ein Verbot würde nur verstärkt bewirken, was schon bewirkt ist: dass die Nazis sich noch intelligenter unter die Gesellschaft begeben – sich einmischen. Bildung wirkt dagegen. Politische Partizipation gleichwohl.

Der oben zitierte Eisberg ist nämlich lange schon ins Meer geschmolzen. Die Rechten sind insofern gar demokratischer als die Demoraten, denn sie mischen sich ein! Und deshalb müssen wir uns ebenso einmischen, mitmischen und das war es, was neben Frau Kahane noch ein ehemaliger Schulleiter forderte und ergänzend eben auf die Schwierigkeiten im Bereich Erziehung und Schule verwies; ergänzend zu Frau Kahanes Forderung nach gesellschaftlicher Einmischung. Körting wich in bester Abfahrtsläufermanier aus. Klaus Uwe Benneter stand dem degenlosen Aristokraten als hilfreicher, bauernschlauer Vasall zur Seite. Hat eigentlich noch niemand bemerkt, dass Benneter in der falschen Partei steckt?

Außerdem war, wie bereits erwähnt, Levi Salomon eingeladen. Als gebürtiger Aserbeidschaner brachte er ein wesentliches Manko in die Runde, sein Deutsch war grässlich schlecht! Durch seine Äußerungen, die dadurch vielfach naiv klangen, spitzte sich die Diskussion einseitig emotional zu. Futter für die Demagogen! Denn die nunmehr hormongesteuerten Anwesenden hatten den klaren Blick verloren.

Frau Kahane bemerkte früh, den Ruf in die Versammlung gerichtet, dass sie sich alleine gegen die nicht wehren kann. Gegen die? Das klang wie eine Warnung.

Zusammenfassend: klar ist, der Eisberg hat sich aufgelöst, im Wasser verteilt. Es gibt noch Schollen die davon zeugen, was übrig ist, wie die NPD. Der Rest schwimmt zwischen uns, hat sich verteilt und vermischt. Es ist eine einfache chemische Weisheit, dass ein Stoff niemals völlig rein sein kann, den Beweis lieferten am gestrigen Abend wir alle, am deutlichsten aber die Parteien mit ihrer Parteihaftigkeit. Darin enthalten sind – allein durch Parteinahme! – auf gewisse Art, in einem gewissen Verhältnis vermengt Menschliches und Fremdenfeindlichkeit – und die war deutlich zu spüren, sie hat die Veranstaltung geleitet, Frau Kahane hat darauf aufmerksam gemacht, man konnte Angst bekommen.

Es gilt für den, der als Demokrat sich sieht, Baden zu gehen, einzutauchen, hinein ins kalte Wasser. Denn da steckt der Teufel im Detail!

Es bleibt eine realistische Wahrheit, dass wir den niemals anders austreiben dürften, als dass wir das Mischungsverhältnis nicht kippen lassen – weder in die eine, noch in die andere Richtung. Denn der Teufel wird so schnell nicht gehen, vielleicht nie! Und er hat viele Gesichter. Wer aber glaubt, dass das schlicht funktioniert, glaubt auch daran, dass wir keine Klimaveränderung erleben.

Es gibt wohl diesbezüglich keine Ausflüchte mehr.

So gesehen. So geschehen.

von Michael Bolz © 2008