Deutschlandfunk am morgen. Manchmal besser als eine Eiswürfeldusche nackt im Winter in Sibirien! Doch es wird ja bekanntermaßen global wärmer.
Die Dauerquerelen seien beendet, hieß es, und rundherum Becks mondänem Möchte-gern-Polit-Durcheinander passiert aktuell spektakulär demonstrative parteiinterne Freundlichkeit selbst seitens des konservativen Mansfelder Seekreises und alle konstatieren jenem wohlwollend, die Führung(!) zurück in der noch zittrig südpfälzischen Hand zu halten.
Wir gratulieren!
Doch darum wollen wir uns nur am Rande kümmern, spätestens wenn wir 2009 wieder öffentlich wählen dürfen.
Dann hörte man noch einen Menschen vom Datenschutz darüber spekulieren, dass das Datenaustauschprogramm zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland, hieß es, eventuell zu gänzlich undemokratischem Missbrauch führen könnte – wie nur?, frag ich; dass der Vertrag diesbezüglich aber seit heute Mittag schon quasi unter kanzlerischem Dach und Fach gezeichnet und gegengezeichnet worden ist, nur am Rande.
Fakt!
Die schönste Meldung gab es jedoch vom ehemaligen SPD-Generalsekretär Benneter zu hören. Er meinte, dass es ganz wunderbar wäre, dass Beck der Linken gezeigt hätte, wo der Hammer im Regal hängt.
Vorher war er sich bekanntlich nicht ganz sicher gewesen…
Und er meinte darüber hinaus, dass es der SPD inhaltlich um Chancengleichheit in der Gesellschaft ginge, nicht um die schnöde und polemische Verteilungsgerechtigkeit der armen linken Linken. Ackermann hat prinzipiell ähnliches geäußert, am 03.03, nachzulesen in der Ausgabe des Sterns selbigen Datums. Chancengleichheit.
Ein wunderbares Wort wenn es darum geht, dem Wirtschaftsaltruismus zu neuem Sternenglanz zu verhelfen.
Chancengleichheit!
Ein Wort, das uns mittlerweile ähnlich flüssig den Rachen hinunter gleitet wie honigsüßer Stacheldraht.
Chancengleichheit!
Eine Gesellschaft exemplarisch betrachtet in ihrer Gesamtheit! Alle dieselben Chancen – wenn es um die Möglichkeit geht, als erster die Ziellinie des Erfolges, durch entsprechende Leistungsbezeugung angeheizt, zu überschreiten.
Und dann aber!
Das große Stück Kuchen!
Sicher.
Das Wasserradprinzip.
Dabei wird wohlwollen übersehen, dass die, die reaktionär an ganz unethischen Sachen – ich will schon gar nicht weiterreden, das schmeckt wie Benzin –, Sachen wie Mitmenschlichkeit, Bildung und so weiter verharren, per definitionem keine wirkliche Chance erhalten.
Doch worum es geht: Die Aussage Benneters belegt einzig und allein, worum sich die Politik mittlerweile und ausschließlich zu mühen scheint – sich der Wirtschaft anzubiedern. Was in der Konsequenz bedeuten würde, dass sich unsere Regierung über kurz oder lang entsprechend und ausschließlich moralisch gleich verhalten würde, wie diese, ihre und unsere Vorbilder.
Tut sie schon.
Sicher.
Wir nicht?
Das wiederum lässt die Frage zu: Ob so eine Politik wünschenswert ist?
Und diese: Wie lassen sich dergestalte Verhältnisse vernünftig ändern?
Jetzt komme ich für eine dritte Frage doch noch auf den Anfang zurück: Wählen dürfen wir ja noch, die Freiheit ist uns gestattet. Ist aber diese Freiheit Freiheit, wenn sie nichts bewirkt?
Und jetzt verknoten wir alle Punkte dieser Dissertation mit Benjamin Franklin: Wer die Freiheit zugunsten der Sicherheit auf Spiel setzt, hat die Freiheit nicht verdient.