Der bevorstehende Lima-Gipfel am 16. Mai biete, meint der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Georg Boomgaarden, eine neue Chance für die Verbesserung der biregionalen Beziehungen zwischen EU und Lateinamerika, Chancen zur gemeinsamen Armutsbekämpfung, zu wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Herr Boomgaarden müsste eigentlich wissen wovon er spricht, war er doch am Entwurf der Erklärung des ersten Gipfels von 1999 beteiligt. Doch naiv klingt seine hoffnungsschwangere Darstellung spätestens dann, wenn er den weitsichtigen Adam Smitz zitiert: “Keine Kunst lernt eine Regierung schneller als die, Geld aus den Taschen anderer Leute zu ziehen” - freilich mit dem Verweis darauf, dass das gut ist, wenn das Geld in Folge gerecht verteilt wird.
Hans-Gert Pöttering, seines Zeichens Präsident des EU-Parlaments, klang heute morgen im Deutschlandfunk recht ähnlich. Die Wirtschaftsbeziehungen, der Kampf gegen den Terrorismus, den Klimawandel, Bekämpfung der Armut und sozialer Ungerechtigkeit, dass sei es, was Lateinamerika mit der EU verbinde, worauf Frau Merkel hinweisen, wofür sie Partner suchen und finden müsste.
Zur Polemik des venezuelanischen Präsidenten Chavez befragt, weicht Pöttering aus, stempelt Chavez als Kommunisten-Dödel und lässt ihn liegen, wo er ist - links eben; genauso verfährt er mit den restlichen lateinamerikanischen Länder, die “linksgesteuert” sind - uninteressant, wenn die nicht auf uns zukämen. Die aber, die für uns, die Zusammenarbeit mit der EU bereit wären, dass sind die Gutwilligen, wie Pöttering sie anerkennend nennt. Mexiko, Columbien, Brasilien, dass sind die interessanten Partner, vornstweg Brasilien, wo Frau Merkel sich momentan in einer Fabrik über Motorenherstellung informiert und für umweltschonende Regenwaldabholzung plädiert, damit für die EU Biosprit hergestellt werden kann.
Das Ziel von Frau Merkels Besuch ist klar und negativ gesprochen rein wirtschaftlich motiviert: Die politische Spaltung Lateinamerikas, frei nach pötteringschem, nach manichäischem Vorbild. Da die Gutwilligen, dort, na was?
Es scheint, als sei Öl so knapp wie Verstand, aber wenigstens knapper als Bäume.


